IPID: die neue Packungsbeilage zum Schutz-Paket

Du schützt dein heiß geliebtes Smartphone gegen Reparaturkosten, erhältst beim netten Berater vor Ort einen Versicherungsschein, die Vertragsbedingungen, ein Beratungsprotokoll, eine Datenschutzerklärung, Cross-Selling-Werbeflyer, einen 15 %-Rabatt-Gutschein für den nächsten Einkauf, zudem einen Werbekugelschreiber sowie Gummibärchen. Die Tüte reißt du direkt auf und verputzt die Nervennahrung vor Ort. Kugelschreiber und Papierstapel, gefühlte 32 Seiten, verstaust du, inklusive Gratis-Handy-Case, in deiner Tasche.

IPID Dokument - Frau prüft IPID Dokument

 

Im Schadenfall, 6 Monate später, weist der Berater dich auf das sagenumwobene PIB, das mystische Produktinformationsblatt, hin. Oder eben auf die Produktinformationsblätter, denn ein einheitliches Aussehen gibt es bis dato nicht. Du kramst in deinen Unterlagen und siehe da, gefunden! Die typische Informationsflut – auch du kennst das.

2008 wurden die PIBs über die VVG-InfoV, die Verordnung über Informationspflichten bei Versicherungsverträgen, vorgeschrieben. Ein verbindliches Muster gab es nicht, lediglich Basics über Inhalt und Gliederung sowie die Grundlage, dass es in übersichtlicher und verständlicher Form knapp dargestellt werden soll. Und wie das in der Realität so ist, hat jeder seiner eigene Vorstellung von einer verständlichen Form.

Ab Februar 2018 ist Schluss mit der PIB-Individualität. Es kommt das IPID.

Was genau ist das IPID?

Zugegebenermaßen mussten wir kurz an eine neue App von Apple denken – iPid. Oder eine Alternative zum iPad. Was man damit machen kann? Da müssten wir jetzt raten. Aber Spaß beiseite.

Das Insurance Product Information Document (IPID) ist ein einheitliches Informationsblatt zu Versicherungsprodukten, welches laut der neuen EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive – IDD) eingeführt wird. Im Fokus stehen Transparenz, Übersichtlich- und Vergleichbarkeit. Das neuartige Dokument beruht auf informativen Verbrauchertests sowie Vorschlägen und Empfehlungen verschiedener Interessengruppen. Auf eine perfekte Darstellung über Bildschirme, besonders über Smartphones, soll geachtet werden. Im Jahre 2018, wo ein Großteil der Abschlüsse über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets geschieht, aus unserer Sicht eine absolute Pflicht.

Muster IPID

Was muss im IPID enthalten sein?

Das neue EU-IPID soll „klar und leicht lesbar“ sowie „präzise und nicht irreführend“ sein und muss zudem folgende Angaben enthalten:

1. Angaben zur Art der Versicherung;
2. eine Zusammenfassung der Versicherungsdeckung, einschließlich der versicherten Hauptrisiken, der Versicherungssumme und ggf. des geografischen Geltungsbereiches und einer Zusammenfassung der ausgeschlossenen Risiken;
3. Prämienzahlungsweise und Prämienzahlungsdauer;
4. die wichtigsten Ausschlüsse, bei denen Ansprüche ausgeschlossen sind;
5. Verpflichtungen zu Vertragsbeginn;
6. Verpflichtungen während der Laufzeit des Vertrages;
7. Verpflichtungen bei der Erhebung des Anspruchs;
8. die Laufzeit des Vertrages, einschließlich Anfangs- und Enddatum;
9. Einzelheiten der Vertragsbeendigung.

Für deutsche Versicherer sind diese Basics jetzt nicht neu. Was allerdings neu ist, ist die Art der Darstellung. Künftig wird die Anzahl der Seiten (maximal zwei, in Ausnahmefällen auch drei Seiten), die Mindestschriftgröße, der Wortlaut der Überschriften der einzelnen Abschnitte (als Fragen formuliert) sowie Symbole und Farben verbindlich festgelegt.

Aus Verbrauchersicht ein längst überfälliges Must-have, um sich schnell und einfach ein Bild der jeweiligen Schutz-Pakete machen zu können. Ab Februar 2018 wird es auch für die Branche verpflichtend. Das IPID wird demnach zu einem wesentlichen Merkmal im Beratungs- und Verkaufsprozess mutieren. Zudem kannst du die IPIDs online vergleichen und somit den optimalen Schutz für dein Gerät finden.

Für die TV-Werbung schlagen wir ableitend „Zu Risiken und Leistungen lesen Sie bitte das IPID und fragen Sie Ihren Vermittler oder Berater“ vor. Klingt doch irgendwie lustig, oder?

mfl