Smartphones in der Familie: Ohne Regeln geht es nicht

Ein Thema, das immer wieder für reichlich Zündstoff sorgt, sind Smartphones in der Familie. Wie sollten Eltern damit umgehen, wenn der Nachwuchs am Frühstückstisch nichts anderes mehr tut, als auf das Handydisplay zu starren? Und wie lässt sich das eigene Nutzungsverhalten so optimieren, dass man ein echtes Vorbild darstellt? Eines ist klar: Ohne Regeln geht es in diesem Fall nicht. Je klarere Strukturen festgelegt werden, desto besser stehen die Chancen, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit den von Jung und Alt geliebten Mobiltelefonen Realität werden kann. Dieser Ratgeber beleuchtet nicht nur die negativen Aspekte, sondern soll vor allem auch Tipps und Anregungen für Verbesserungen geben, die sich im Alltag umsetzen lassen.

 

 

Ab wann sollten Kinder ein Smartphone bekommen?

Dass Smartphones in der Familie mittlerweile nicht mehr grundsätzlich wegzudenken sind, leuchtet den meisten ein. Schließlich lässt sich der allgegenwärtige technische Fortschritt nicht einfach im familiären Rahmen ignorieren. Zu kontroversen Diskussionen führt jedoch die Frage, ab welchem Alter die Kids denn nun das erste Smartphone in die Hand bekommen sollten. Es ist mittlerweile alles andere als unüblich, dass Eltern ihr eigenes Gerät schon in sehr jungem Alter dem Kind überlassen, damit sich dieses damit beschäftigen kann und nicht "nervt". Ob das jedoch die richtige Herangehensweise ist? Was sagen eigentlich Experten dazu?

Medienpädagogin Kristin Langer beispielsweise rät Eltern dazu, ihren Kindern erst ab einem Alter von elf oder zwölf Jahren ein Smartphone in die Hand zu geben. Erst dann seien diese in der Regel emotional gefestigt genug, um mit der Vielfalt an Inhalten vernünftig umzugehen. Letztendlich kommt es aber natürlich auch auf den individuellen Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes an. Einige Menschen sind schließlich selbst in sehr jungem Alter schon weiter entwickelt als andere in einem späteren Stadium.

Dennoch steht eines außer Frage: Wer beim Thema "Smartphones in der Familie" nicht alles falsch machen will, der sollte Kindern im Grundschulalter kein solches Gerät in die Hand drücken. Auch wenn es anstrengend werden kann, diese Haltung durchzusetzen, weil "die anderen Kinder" schließlich alle ein Smartphone besitzen. Doch das sollte auf keinen Fall der Maßstab für das eigene Handeln sein.

Wo hat das Smartphone überhaupt nichts zu suchen?

Es gibt bestimmte Bereiche, da sollte das Smartphone ganz einfach nichts zu suchen haben. Wenn es um die Kinder geht, dann ist einer davon zweifellos der schulische Unterricht. In immer mehr Schulen herrscht während der Stunden ein striktes Smartphone-Verbot - und das ist auch dringend nötig, um Fokus und Konzentration der Schüler auf das Wesentliche zu lenken. Doch auch im privaten Bereich, wenn es um Smartphones in der Familie geht, ist es ratsam, gewisse Tabuzonen zu schaffen. Hier ein paar Empfehlungen, wo das Gerät besser fern bleiben sollte:

  • Am Esstisch bei den gemeinsamen Mahlzeiten
  • Bei Familienaktivitäten wie Spieleabenden
  • Beim Hausaufgaben erledigen
  • Vor dem Schlafengehen und im Bett

Insbesondere das Starren auf den kleinen, iluminierten Bildschirm vor dem Einschlafen ist erwiesenermaßen nicht nur eine schlechte Angewohnheit, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht bedenklich. Dies gilt im Übrigen nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Smartphones und Familie

Negative Folgen unkontrollierter Smartphone-Nutzung

Dass Smartphones in der Familie nicht die erste Geige spielen, ist auch deshalb so wichtig, weil eine unkontrollierte Nutzung der Geräte jede Menge - teils wirklich schwerwiegender - negativer Folgen mit sich bringen kann. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Probleme mit der Rechtschreibung
  • Beeinflussung durch jugendgefährdende Inhalte
  • Konflikte in der Familie
  • Suchtverhalten

Internetsucht ist heute eine allgemein anerkannte Krankheit, so wie Drogensucht oder Glücksspielsucht. Wer sich schon in jungen Jahren eine gerade exzessive Nutzung des Smartphones aneignet, welches nicht zuletzt mobiles Internet mit all seinen Verlockungen immer und überall zugänglich macht, der wird höchstwahrscheinlich mit einer längerfristigen Abhängigkeit zu kämpfen haben. Daher gilt: Smartphones in der Familie nie das Kommando überlassen, sondern immer Grenzen ziehen.

Warum Eltern ein Vorbild sein sollten

Den größten Einfluss auf die Entwicklung eines jungen Menschen haben, neben Gleichaltrigen, immer die Eltern. Es ist also von entscheidender Bedeutung, dass sie auch beim Thema Smartphone mit gutem Beispiel voran gehen. Denn es wird nicht funktionieren, den Kindern beispielsweise am Esstisch die Nutzung des Gerätes zu verbieten und im nächsten Moment dort selbst hektisch die E-Mails über das mobile Internet abzurufen. Kinder schauen sich sehr genau an, wie ihre Eltern handeln, und nehmen sich dieses Verhalten schließlich zum Vorbild. Daher gilt: Alle in der Familie sollten sich an festgelegte Regeln halten. Bei etwas älteren Kindern kann es durchaus eine sinnvolle Option sein, diese bei der Festlegung dieser Regeln mit einzubeziehen. Umso größer wird der Ansporn sein, sich auch daran zu halten.

Smartphones in der Familie sinnvoll einsetzen

Wie lassen sich nun aber Smartphones in der Familie wirklich sinnvoll einsetzen? Schließlich ist es nicht zielführend, die Geräte trotz der ausführlich dargelegten negativen Aspekte komplett zu dämonisieren. Denn sie können eben in vielfältiger Hinsicht auch eine positive Wirkung entfalten und zu einer echten Hilfe werden. Wir haben ein paar Anregungen zusammengestellt. So bieten Smartphones in der Familie beispielsweise bei folgenden Aktivitäten einen echten Mehrwert:

  • Bei der Koordination von Aufgaben im Haushalt mit Hilfe von Apps
  • Bei der Abstimmung von Terminen, etwa durch Doodle-Umfragen
  • Bei der kurzfristigen Kommunikation, etwa wenn der Sohn oder die Tochter aufgrund Unterrichtsausfalls mal früher nach Hause kommt
  • Um kurz Bescheid zu geben, dass man am Urlaubsort gut angekommen ist

Diese Liste ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen. So können beispielsweise auch Lern-Apps auf dem Smartphone eine wertvolle Unterstützung für die Kids darstellen, um mit Freude schulische Inhalte zu verinnerlichen. Dienste wie Google Drive oder Dropbox sorgen wiederum dafür, dass alle Familienmitglieder ganz unkompliziert von verschiedensten Geräten aus Zugriff auf die gemeinsamen Fotos haben.

 Smartphonenutzung in der Familie regulieren

Fazit: Smartphones nicht verteufeln, aber...

Ob Smartphones in der Familie überhaupt zum Einsatz kommen sollten, ist eine Frage, die in der heutigen Zeit durch die allgegenwärtigen Lebensrealitäten bereits beantwortet wird. Statt sich über das "ob" Gedanken zu machen, sollten Eltern also lieber überlegen, "wie" der Smartphone-Konsum aussehen soll und welche Regeln dafür sorgen könnten, dass alle Beteiligten zufrieden sind und der Familienfrieden gewahrt bleibt. Smartphones sollten auf keinen Fall komplett verteufelt werden. Aber auch die negativen Auswirkungen bei einem übertriebenen Gebrauch der Geräte sollten ganz offen thematisiert werden. Denn nur auf diese Art und Weise lernen junge Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema mobile Kommunikation.

Anstatt nur mahnende Worte zu finden, wäre es optimal, wenn die Eltern mit ihrem eigenen Nutzungsverhalten ein positives Beispiel abgeben würden. Bestimmte Orte und Situationen sollten nach Möglichkeit zur handyfreien Zone erklärt werden. Auf der anderen Seite gilt es aufzuzeigen, in welchen Bereichen das Smartphone in der Familie ein hilfreiches Instrument sein kann, um beispielsweise organisatorische Dinge wesentlich bequemer zu handeln. Auch wenn es um die familieninterne Kommunikation geht, bietet es sich an, Smartphones sinnvoll mit einzubinden. Um etwa alle Familienmitglieder zu erreichen, ohne an jeden einzeln eine Nachricht verschicken zu müssen, ist die Einrichtung einer Familiengruppe bei WhatsApp eine gute Idee. Wie bei fast allen Themen ist es also auch bei der Verwendung von Smartphones in der Familie ein schmaler Grat zwischen einem sinnvollen und einem problematischen Nutzungsverhalten.