Digitale Nomaden: wie den Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten leben?

Das Internet und neue Technologien sorgen dafür, dass die Arbeitswelt sich in einem immer größeren Tempo verändert. Nicht wenige verbinden diese Entwicklung vor allem mit Gefahren und Risiken. Doch tatsächlich bieten sich auch allerlei Chancen und Möglichkeiten, zum Beispiel in Bezug auf das ortsunabhängige Arbeiten. Als digitale Nomaden bezeichnet sich eine Bewegung, deren Credo es ist, von überall auf der Welt online sein Business zu führen. Wie das möglich ist und welche Tätigkeiten dafür zum Beispiel in Frage kommen können, zeigen wir in diesem Ratgeber.

 

Digiale Nomaden / Webworker & Co. 

Was sind überhaupt digitale Nomaden?

Ehe es ins Detail geht, sollte zunächst einmal der Begriff „digitale Nomaden“ genauer erklärt werden. Denn auch, wenn dieser „Lifestyle“ in den deutschsprachigen Medien in letzter Zeit immer häufiger thematisiert wurde, können sich viele immer noch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Was also sind überhaupt digitale Nomaden? Tatsächlich verwendete Medienwissenschaftler Marshall McLuhan aus Kanada bereits im Jahre 1964 den Begriff des „nomadischen Informationssammlers“, zu welchem der Mensch im elektronischen Zeitalter werde.

Die Bezeichnung „digitaler Nomade“ wurde später von David Manners und Tsugio Makimoto geprägt und bezeichnet im Wesentlichen jemanden, der zum einen seine Arbeit nahezu vollständig mit Hilfe von digitalen Technologien verrichtet und zum anderen ortsunabhängig lebt. Digitale Nomaden nach der klassischen Definition haben keinen festen Wohnsitz. Der Begriff der Multilokalität fällt in diesem Zusammenhang häufiger. Bisweilen werden digitale Nomaden auch als Internet-Nomaden bezeichnet. Auch wenn die meisten von ihnen selbstständig tätig sind und sich als Unternehmer sehen, gibt es durchaus auch Arbeitnehmer, die nach diesem Konzept leben und arbeiten.

Wie die Bewegung auch in Deutschland Fuß fasst

Das moderne digitale Nomadentum, so wie wir es heute kennen, wurde nicht zuletzt von Autor Timothy Ferriss geprägt, der mit seinem Buch „Die 4-Stunden-Woche“ für Aufsehen sorgte. Die Bewegung ist getrieben von dem Traum, durch optimierte Arbeitsprozesse, Outsourcing oder skalierbare Produkte die eigene Arbeitszeit nach Möglichkeit immer weiter zu reduzieren. Diese Aussicht, verbunden mit der Option, von den schönsten Plätzen der Welt aus arbeiten zu können, hat auch im deutschsprachigen Raum zahlreiche Anhänger gefunden. Zu den wichtigsten Sprachrohren und Protagonisten der „Szene“ gehören Online-Unternehmer wie:

  • Marcus Meurer und Felicia Hargarten
  • Sebastian Canaves
  • Tim Chimoy
  • Conni Biesalski

Dabei sind die Ansätze und Beweggründe, unter die digitalen Nomaden zu gehen, durchaus unterschiedlich. Während für den einen das Reisen im Vordergrund steht, möchten andere wiederum einfach nur ihre Arbeitszeit freier einteilen können. Mit der Digitale-Nomaden-Konferenz (DNX) haben Meurer und Hargarten ein Forum für die deutschsprachige Nomadenszene ins Leben gerufen, bei dem regelmäßig Tausende Infizierte und Interessierte zusammenkommen. Der Hype scheint gerade erst begonnen zu haben.

Welchen Jobs lässt sich ortsunabhängig nachgehen?

Natürlich ist nicht jede Tätigkeit dafür geeignet, um sie als digitaler Nomade ausüben zu können. Wer etwa auf den direkten Kundenkontakt mit seiner – lokalen – Zielgruppe angewiesen ist, der wird diesen Job schlecht vom anderen Ende der Welt aus erledigen können. Doch gerade im Zeitalter der Digitalisierung gibt es immer mehr Branchen, in denen das eben doch recht problemlos möglich ist. Zu den typischen Berufen, die digitale Nomaden ausüben, gehören allen voran:

  • IT-Berufe wie Programmierer und Webdesigner
  • Grafiker
  • Fotografen
  • Übersetzer
  • Texter, Autoren und Blogger
  • Virtuelle Assistenten

Es sind also insbesondere die kreativen Berufe, die hier die Nase vorn haben. Großer Beliebtheit erfreut es sich aber beispielsweise auch, durch den Betrieb einer Online-Plattform oder Community Geld zu verdienen, indem beispielsweise E-Books oder Beratungsdienstleistungen verkauft werden. Aber auch ein Onlineshop mit physischen Produkten ist denkbar. Dessen Abwicklung lässt sich heutzutage problemlos komplett auslagern. Viele digitale Nomaden verdienen sich auch durch das Betreiben von Affiliate-Marketing etwas dazu. Dabei werden Empfehlungslinks auf der eigenen Website eingebaut, die auf andere Anbieter verweisen. Klickt ein Besucher auf einen solchen Link und bestellt daraufhin etwas, erhält der digitale Nomade eine Provision.

Wie sieht die perfekte Arbeitsumgebung aus?

Digitale Nomaden rühmen sich damit, prinzipiell von überall aus arbeiten zu können. Nicht selten kursieren Fotos, auf denen die Protagonisten mit einem Cocktail in der Hand am Laptop sitzen – am besten noch direkt am Strand. Mit der Lebenswirklichkeit dieser Webworker hat ein solches Traumbild allerdings eher wenig zu tun. Denn selbstverständlich brauchen auch digitale Nomaden eine Arbeitsumgebung, in der sie sich bestmöglich konzentrieren und auf ihre Arbeit fokussieren können. Solche Orte können zum Beispiel sein:

  • Das „Home-Office“ in der Unterkunft/Ferienwohnung
  • Cafés mit WLAN-Zugang
  • Internetcafés
  • Öffentliche Bibliotheken
  • Co-Working-Spaces

Insbesondere die sogenannten Co-Working-Spaces erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Sie bieten den Vorteil, dass digitale Nomaden mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen und auf diese Weise idealerweise sogar neue Kooperationen und gemeinsame Projekte entstehen können. Es kommt natürlich immer auch auf die eigene Persönlichkeit an, welche Arbeitsumgebung bevorzugt wird. Während der eine unbedingt unter Menschen sein muss, gelingt es dem anderen nur alleine, vollkommen konzentriert zu arbeiten.

Chancen und Risiken des nomadischen Lebensstils

Herrscht in der Welt der digitalen Nomaden also immer nur eitel Sonnenschein? Natürlich nicht. Denn auch, wenn es zweifelsohne ein riesengroßer Vorteil gegenüber anderen ist, seine Arbeitszeiten und Arbeitsorte in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen zu können, bringt dieser Lebensstil auch den einen oder anderen Nachteil mit sich. So ist es für digitale Nomaden schwieriger als für andere, langfristige Freundschaften aufzubauen und diese regelmäßig zu pflegen. Auch die Altersabsicherung ist ein Thema, das viele lieber ausblenden. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Einnahmen, anders als bei einer Festanstellung, nur sehr schwer für die Zukunft kalkulieren lassen. Auch könnte es in fremden Ländern möglicherweise zu Sprachproblemen bei der Kommunikation mit den örtlichen Behörden kommen.

Auf der anderen Seite ergeben sich allerdings auch jede Menge spannender Chancen für angehende digitale Nomaden. Schließlich können sie im Idealfall ihrer Leidenschaft auch in beruflicher Hinsicht nachgehen und ein echtes „Herzensprojekt“ verwirklichen. Zudem sorgt das ortsunabhängige Arbeiten dafür, dass auch lange Reisen realisierbar werden, weil unterwegs Aufträge angenommen und bearbeitet werden können. Digitale Nomaden haben beste Voraussetzungen, die Welt zu entdecken und fremde Kulturen kennen- und verstehen zu lernen. Hinzu kommt als Bonus noch, dass sich in einigen Ländern auch interessante Möglichkeiten ergeben, die steuerliche Belastung zu reduzieren. Und wer in Thailand oder Kambodscha ein deutsches Einkommen generiert, kann sich hier einen geradezu luxuriösen Lebensstil leisten.

Fazit: Das digitale Nomadentum schafft neue Möglichkeiten

Repräsentieren die digitalen Nomaden also das Arbeitsmodell der Zukunft? Werden in einigen Jahren fast alle Menschen via Laptop und vollkommen ortsunabhängig ihr Geld verdienen? Es ist davon auszugehen, dass es so wohl eher nicht kommen wird. Aber es wird mehr und mehr digitale Nomaden geben und dieser Lebensstil wird mit Sicherheit stetig an Attraktivität gewinnen. Eine Alternative zum traditionellen 9-to-5-Job, die neue Möglichkeiten bietet, in vielfältiger Hinsicht:

  • Höheres Maß an Flexibilität
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Die Möglichkeit, sich selbst und eigene Ideen zu verwirklichen

Wer es clever anstellt, der kann sich selbst als Solo-Selbstständiger ein ansehnliches Einkommen aufbauen. Dies ist jedoch kaum von einem auf den anderen Tag realisierbar. Erfolgreiche Digitale Nomaden zeichnen sich vor allem durch Eigenschaften wie Willenskraft, Durchhaltevermögen und Disziplin aus. Wer bereit ist, viel Zeit und Energie in sein Projekt zu stecken, der wird früher oder später auch die Früchte seiner Anstrengungen ernten können.